Wirtschaftskrise beherrscht Forum der Handwerksjunioren
„Im Moment ist die Wirtschafts- und Finanzkrise noch die große Krise der Industrie“, sagte Carsten Röttgers, Bundesvorsitzender der Handwerks-Junioren, auf der Internationalen Handwerksmesse in München. Als derzeit allgegenwärtiges Thema prägte die Wirtschaftskrise auch maßgeblich die Podiumsdiskussion der Junioren des Handwerks. Denn die meisten Betriebe würden derzeit sehr pessimistisch in die Zukunft blicken und für 2009 damit rechnen, dass ihre Umsätze und Erträge zurückgingen, so Röttgers. Unter anderem über dieses Thema diskutierte er unter dem Titel „Wohin steuert Deutschland?“ mit Christine Scheel (Bündnis90/Die Grünen), Daniel Volk (FDP), Axel Berg (SPD) und Stephan Mayer (CSU).
In einem Punkt waren sich die Diskutanten einig: Der Mittelstand muss entlastet werden. Scheel sprach sich mehrfach für ermäßigte Mehrwertsteuersätze auf Leistungen des Handwerks aus. Damit griff die Grünen-Politikerin eine Forderung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) auf. Tags zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft erklärt, dass die Mehrwertsteuer in dieser Legislaturperiode nicht reduziert werde. Für Röttgers wäre diese Maßnahme auch nur bedingt zielführend. „Wir sollten lieber darüber nachdenken, die Erbschaftsteuer abzuschaffen und die Unternehmen gerechter zu besteuern.“
Insgesamt war die Podiumsdiskussion bereits vom bevorstehenden Bundestagswahlkampf beeinflusst. Auffallend war der Konsens zwischen den Vertretern der Parteien, die sich alle für geringere Abgaben, weniger Bürokratie und Deregulierung aussprachen. Mehrfach kam insbesondere das Thema Lohnnebenkosten zur Sprache. Diese sollten unbedingt sinken, so die einhellige Meinung. Daniel Volk sieht darin auch ein probates Mittel, um die Schwarzarbeit wirksam einzudämmen. „Denn darunter leidet das Handwerk wie keine andere Branche. Mehr als 300 Milliarden Euro werden jährlich in Schwarzarbeit erwirtschaftet.“ Um dem Problem Herr zu werden, forderte Mayer zudem die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen weiter zu verbessern.
Verbündeter im Kampf gegen die Klimakrise
Röttgers erinnerte daran, dass im Handwerk zwar noch keine Kreditklemme herrsche, Liquidität aber existenziell sei. „Hier muss der Staat notfalls auch uns zur Seite stehen“, so Röttgers mit Blick auf die diskutierten Staatshilfen für den von Insolvenz bedrohten Autobauer Opel. Auch Berg erklärte, dass dem Mittelstand mehr Gehör geschenkt werden müsse. „Wenn ein Unternehmen 10.000 Angestellte feuert, entsteht eine starke Solidarität in der Öffentlichkeit. Aber wenn 10.000 Unternehmen jeweils zehn Mitarbeiter entlassen, interessiert das niemanden.“ Zudem erinnerten Berg und Schell unisono daran, dass es neben der Wirtschafts- auch eine Klimakrise gebe, die nicht außer Acht gelassen werden dürfe: „Und im Kampf gegen die Klimakrise ist das Handwerk unser starker Verbündeter.“